Dr. med. Thomas Mollet
Facharzt für HNO-Heilkunde

Tinnitus und Tinnitustherapie

Was ist Tinnitus?

Mit "Tinnitus" bezeichnet die medizinische Fachsprache Ohrgeräusche verschiedenster Art. Viele Millionen Menschen haben Tinnitus und ca. jeder sechste Bundesbürger wurde schon einmal mit diesem Symptom konfrontiert. Man unterscheidet den akuten Tinnitus vom subakuten bzw. chronischen Tinnitus. Die Erscheinungsformen dieser Ohrgeräusche sind für die Betroffenen oft sehr unterschiedlich. Sie reichen von einem kaum wahrnehmbaren Tinnitus während der Nacht bis hin zum dauerhaft persistierenden Tinnitus mit ausgeprägten zusätzlichen Beschwerden in Form von Angst, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Herzrasen, emotionaler Labilität oder Depressionen. Diese "Sekundärsymptomatik" tritt meist erst im chronischen Verlauf des Tinnitus auf und kann zu einer anhaltenden Beeinträchtigung der Lebensqualität bis hin zur völligen Dekompensation führen. Man spricht in diesem Fall vom "chronischen dekompensierten Tinnitus".


Rheologische Behandlung und Kortisontherapie

Je nach Beschwerdedauer, subjektivem Leidensdruck und in der Praxis erhobener audiologischer Diagnostik kann eine rheologische Behandlung (Tabletten und/oder Infusionen) eingeleitet werden. Alternativ besteht auch die Möglichkeit einer Kortisonbehandlung gemäß einem speziell zur Behandlung von Ohrerkrankungen abgestimmten Dosierungsschema.


Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT)

Die Tinnitus-Retraining-Therapie ist ein interdisziplinäres Konzept zur ambulanten Therapie des chronischen Tinnitus. Die Patienten werden unter Zuhilfenahme von akustisch-apparativen Behandlungsmaßnahmen betreut und erlernen Strategien zur Aufmerksamkeitsumlenkung hinsichtlich des Tinnitus. Die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) sollte durch speziell geschultes Fachpersonal erfolgen und den Qualitätsrichtlinien der "Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen und Neurootologen (ADANO)" entsprechen. Die Tinnitus-Retraining-Therapie wird im anglo-amerikanischen Sprachraum bereits mit großem Erfolg angewendet.


Tinnitusmasker

Im Rahmen der Tinnitus-Retraining-Therapie erfolgt im Regelfall auch eine Tinnitusmaskerversorgung. Dabei handelt es sich um einen am Ohr zu tragenden Geräuschgenerator, der ein weißes Rauschen aussendet, also ein Geräusch, in dem alle für das menschliche Ohr hörbaren Frequenzen enthalten sind. Der Kontrast zwischen dem Tinnitus und dem Umgebungsschall wird dadurch verändert bzw. verkleinert. Dieses Phänomen kann mit dem Beispiel eines Kerzenlichts im dunklen Raum veranschaulicht werden. Je mehr dieser Raum durch eine andere Lichtquelle erhellt wird, um so weniger wird der Kerzenschein wahrgenommen. Der Hörakustiker passt einen Tinnitusmasker an, der individuell auf die beste Wirkung eingestellt wird. Die Akzeptanz der Tinnitusmasker ist erfahrungsgemäß sehr hoch.


Aufmerksamkeitsumlenkung

Die Verfahren zur Aufmerksamkeitsumlenkung nehmen im Rahmen der Tinnitus-Retraining-Therapie einen hohen Stellenwert ein und beinhalten das Erlernen von Entspannungstechniken und Habituations- bzw. Bewältigungsstrategien. Die Betroffenen werden vertraut mit den Möglichkeiten der progressiven Muskelrelaxation, des autogenen Trainings sowie ferner der geleiteten bzw. ungeleiteten Imagination und verschiedenen Streßbewältigungstechniken.